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Wie der Landkreis Haßberge zu seinem Namen und Wappen kam

Nach der Fusion der drei Alt-Landkreise Haßfurt, Ebern und Hofheim gingen der Entscheidung über den Namen langwierige Diskussionen voraus. Der Landkreis steht für Heimat, für die Region aus der man stammt, die Bürger sollten sich damit identifizieren können. Die einen schlugen vor, man sollte den Kreis nach der Kreisstadt Haßfurt benennen, andere meinten wiederum, dieser Name würde der Vielfalt der ländlichen Regionen zwischen Coburg, Bamberg und Schweinfurt nicht gerecht. Vor allem die Eberner und Hofheimer waren gegen diesen Vorschlag.

Der Kreistag plädierte am 16. Oktober 1972 mehrheitlich für einen Namen, der landschaftsbezogen sein sollte. Doch auch die Bezeichnung Haßberge-Steigerwald-Kreis setzte sich nicht durch. Irgendwann besann man sich dann auf die Kurzformel, die bereits seit langem die Aktenordner als Arbeitstitel geschmückt hatte. Der Kreis erhielt den offiziellen Namen „Landkreis Haßberge“, der sich schnell einbürgerte und mit dem sich die Bewohner aller drei Altlandkreise identifizieren konnten.

Bei der Suche nach de Wappen für den Landkreis war es noch schwieriger, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Ein einheitliches Symbol für die Region gibt es nicht, also mussten mehrere Zeichen miteinander verbunden werden, um auch die Gegend zu beschreiben. Auch die Wappen der Altlandkreise hatten sich schon aus verschiedenen Zeichen zusammengesetzt, die wiederum frühere Besitzansprüche widerspiegelten.

 


Inhalt des Wappens: Das gebietsgeschichtliche begründete Wappen vereinigt die Symbole der ehemals in diesem Raum aneinander grenzenden Territorien der Hochstifte Würzburg und Bamberg sowie des ehemaligen sächsischen Amtes Königsberg, die mit ihren Ge-bietsteilen auf die Landkreise Ebern, Haßfurt und Hofheim aufgeteilt waren und seit der Landkreisreform den jetzigen Landkreis Haßberge bilden.  Die drei Wappenmotive als sol-che sind den früheren Landkreiswappen entnommen, und zwar allen gemeinsam der frän-kische Rechen; der Bamberger Löwe war Bestandteil der Landkreiswappen Ebern und Haßfurt, während der sächsische Rautenkranz im  Wappen des früheren Landkreises Hofheim vertreten war.

Auf dem Weg zum neuen Selbstbewusstsein

1972 wurde Walter Keller an die Spitze des neuen Landkreises Haßberge gewählt. Der Hofheimer Landrat Dr. Herbert Krahmer hatte damals aus gesundheitlichen Gründen darauf verzichtet, gegen Keller anzutreten. In einer Delegiertenversammlung hatte sich die Mehrheit für den bisherigen Haßfurter Landrat und nicht für den Eberner Landrat Dr. Hans Reuther als Kandidat der CSU entschieden.

 

 

 

Nach Abschluss der Landkreisreform warteten viele neue Aufgaben und ungelöste Probleme sowie neue Herausforderungen auf den Chef des neuen Haßberg-Kreises.

„Der Kreistag und ich waren direkt, unmittelbar und manchmal auch schonungslos gefordert“, erinnert sich der heute 78-Jährige. Zum einen galt es, die von den vormaligen Landkreisen eingeleiteten Maßnahmen zügig fortzuführen und zu vollenden. Zum anderen wollte man dem reformierten Landkreis ein neues Selbstbewusstsein geben, ihn zu einer Einheit formen, damit er zukunftsorientiert nach innen und außen seinen Aufgaben möglichst gerecht wird.


Nach der Konstituierung des neuen Kreistages wurde eine kurze  Bestandsaufnahme gemacht. Dabei zeigte sich, dass die Fülle der Aufgaben gar keine Zeit ließ, um rückwärts zu schauen. Ein Schwerpunkt der ersten Haushalte war vor allem der Ausbau des Kreisstraßen-Netzes. Mit dem Bau der Verbindungsstraße von Haßfurt nach Ebern, der im Volksmund auch „Keller-Highway“ genannt wird, wurde beispielsweise dafür gesorgt, dass der vorherige Landkreis Ebern an das Maintal und an die Kreisstadt qualifiziert angebunden ist.

Um die durch die Kreisreform auferlegten Zentralitätsverluste zwischen den vormaligen Kreisstädten auszugleichen, wurden in Ebern und Hofheim neue Akzente gesetzt. Das Gymnasium Ebern wurde zügig fertig gebaut, die Sportstättenplanung wurde zugunsten aller Schulen auf eine Dreifachturnhalle ausgerichtet. Das Kreiskrankenhaus erhielt unverzüglich - neben der bisherigen Chirurgie eine internistische Abteilung, einschließlich Labor und Röntgenstation. Außerdem wurde die seit Jahren leer stehende Landwirtschaftsschule einer neuen Nutzung zugeführt, nämlich der Meisterschule für das Schreinerhandwerk, die zweite in Bayern.

Damit wurde die überörtliche Bedeutung Eberns als Zonengrenzland-Standort erheblich aufgewertet. Außerdem wurde in Ebern eine Zweigstelle des Landratsamtes integriert, die von Oberamtsrat Franz Weiner geleitet wurde. Regelmäßig war aber auch Landrat Keller vor Ort präsent und hielt Sprechstunden für die Bürger in Ebern ab. Geblieben von der einstigen Zweigstelle des Landratsamtes ist bis heute die Kfz-Zulassungsstelle.

Auch die Stadt Hofheim veränderte sich: Das bisher allgemeine Kreiskrankenhaus wurde umstrukturiert mit Schwerpunkt Innere Medizin und Geriatrie. Mit Beschluss vom 16. Oktober 1972 beantragte der Kreistag bei der Bayerischen Staatsregierung, das Landwirt-schaftsamt für den gesamten Landkreis von Haßfurt nach Hofheim zu verlegen. Ein wichtiger Schritt, nicht nur um den Verlust als Kreisstadt auszugleichen, sondern auch um die Zusammenarbeit mit der dort seit Jahren wirkende Geschäftsstelle des Kreis-Bauernverbandes und des Maschinenrings spürbar zu verbessern.

Walter Keller hat alle Felder der Kreispolitik mit hohem Einsatz beackert und sich neben den alltäglichen Pflichtaufgaben ernsthaft mit Zukunftsfragen beschäftigt. Er hat die Fusion der Sparkassen forciert. Auf seine Initiative wurde der VHS-Kreisverband gegründet, um Volksbildung flächendeckend zu verbinden. Eine hauptamtlich besetzte Geschäftsstelle koordiniert das breitgefächerte Angebot der Erwachsenenbildung und unterstützt professionell und partnerschaftlich die in den örtlichen Volkshochschulen ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen.  

Nach der Gebietsreform war es auch unter anderem notwendig, die drei ehemaligen Rot-Kreuz-Kreisverbände zu vereinigen. Die Feuerwehren, Sportvereine und die Jugendverbände wurden ebenfalls neu organisiert und unter dem Dachverband des Kreisfeuerwehrverbandes, beziehungsweise des BLSV und des Kreisjugendringes zusammengeschlossen.

Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Integration der drei Landkreise war es, die Obst- und Gartenbauvereine unter die „Haube“ eines neuen Kreisverbandes zu bringen.  Auch die ehrenamtlich im Dienste von Recht und Ordnung öffentlich tätigen Feldgeschworenen schlossen sich zügig auf Kreisebene zusammen, so dass der traditionelle Siebener-Tag fest im jährlichen Veranstaltungsprogramm des Landkreises verankert wurde. Zu Kel-lers Verdiensten gehört es auch, die deutsch-französische Freundschaft mit dem Destrict Tricastin im Département Drome auf den Weg gebracht zu haben.
„Das alles war nötig, um ein aktuelles und zukunftsweisendes Selbstbewusstsein zu schaffen“, so der ehemalige Landrat.

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"Es war wie ein Erdbeben" - Landrat a. D. Dr. Walter Keller erinnert sich

Die Geschichte des Landkreises Haßberge ist jung. Das Licht der Welt erblickte er am 1. Juli 1972, als sich im Zuge der kommunalen Gebietsreform die drei Landkreise Haßfurt, Ebern und Hofheim zusammenschlossen. Seit 40 Jahren ist der Haßberg-Kreis für über 80 000 Menschen Wohnsitz und Heimat geworden. Er bietet hohe Lebensqualität und ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort mit Tradition und Zukunft. 

 

Einer, der erheblich dazu beigetragen hat, dass sich das „Kind“ der Landkreisreform so gut entwickelt hat, ist Dr. Walter Keller. Er hat die Region geprägt - von Anfang an. 18 Jahre stand er als Landrat an der Spitze des neu gegründeten Landkreises und hat dafür gesorgt, dass Infrastruktur und Leistungsfähigkeit der jetzt 26 Städte, Märkte und Gemeinden wesentlich verbessert wurden. Nicht von ungefähr wird er deswegen auch von vielen als „Vater des Haßberg-Kreises“ bezeichnet.

 

„Die Landkreisreform war von Ministerpräsident Alfons Goppel und seinem Ministerrat klug eingefädelt worden“, findet Walter Keller noch heute.  Vor allem deswegen, weil man nicht versucht hat, den Landkreisen ausgefeilte Strukturen überzustülpen. Vielmehr wurden allgemeine Ziele formuliert und hat diese den gewählten Repräsentanten im Landtag sowie den Bürgermeistern, Landräten, Bezirksräten  und Bürgern an die Hand gegeben.

 

Mit den generellen Zielen der angestrebten Reform sei der größte Teil der Bürger einverstanden gewesen. „Wer wolle im Grunde nicht die Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung, die Steigerung der Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Bürgernähe der Verwal-tung sowie die Verbesserung der Lebensverhältnisse auf dem Lande und den Abbau des Leistungsgefälles zwischen Stadt und Land?“ Gerade der letzte Aspekt habe viele Man-datsträger und Bürger motiviert, sich mehrheitlich und auch relativ rasch mit dem Anliegen der Bayerischen Staatsregierung zu identifizieren. Die Reform sollte möglichst gleichwerti-ge Lebensverhältnisse schaffen - ganz gleich ob jemand in Unterschleichach wohnt oder in Memmelsdorf.

 

Am 1. Februar 1971 hatte der unterfränkische Regierungspräsident Dr. Meixner alle 22 Landräte und fünf Oberbürgermeister nach Würzburg eingeladen, um die Reformpläne zu erläutern. „Da habe ich zum ersten Mal erfahren, dass auch die traditionellen Bezirksgren-zen in Frage gestellt werden“, erinnert sich Walter Keller, der seit 1968 Landrat  des Land-kreises Haßfurt war. „Spätestens ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass möglicherweise eine Zerreißprobe auf uns zukommt.“ Als Nachbar zu Oberfranken, sei „alles drin“ gewe-sen. Keller kannte natürlich die Verflechtungen und Beziehungen der Bürger zu den drei relativ nahe gelegenen kreisfreien Städten Schweinfurt, Bamberg und Coburg.

 

Noch bevor das offizielle Anhörverfahren angesetzt war, hatte der Kreistag schon am 15. Februar nahezu einstimmig beschlossen, den Landkreis Haßfurt nicht teilen zu lassen. „Das war eine Art Igelbeschluss, da haben wir angefangen, die Stacheln zu stellen.“ Die Meinungsbildung in den beiden Nachbarlandkreisen lief etwas anders: „In Ebern und Hof-heim wurde eine gemeinsame Überlebenschance ganz anders gesehen. Da war man sich nicht so einig, wie man agieren und kooperieren sollte.“

 

Das erste Anhörverfahren habe eine große, negative Überraschung gebracht. „Es war wie ein Erdbeben“, vergleicht Walter Keller. Der Lösungsvorschlag des Innenministeriums sah vor, dass der Raum aufgeteilt wird und die Randgemeinden des Kreises Haßfurt sowohl im Osten wie im Westen an die künftigen Stadtumlandkreise kommen sollten. Also Dan-kenfeld, Kirchaich, Roßstadt und Stettfeld nach Bamberg; Gädheim, Ottendorf und Greß-hausen zu Schweinfurt. Für die Nachbarkreise Ebern und Hofheim waren die Eingriffe we-sentlich stärker vorgesehen in Richtung Coburg und in Richtung Bamberg. Vom ehemali-gen Landkreis Ebern sollten nur noch Hermannsberg, Breitbrunn, Neubrunn und Hofstet-ten zu einem ostunterfränkischen Landkreis kommen, der „Löwenanteil“ sollte Coburg und Bamberg zugeteilt werden. Das Stadtlauringer Gebiet und mehrere Gemeinden des Landkreises Hofheim sollten Schweinfurt zugeschlagen werden. „Ein wahrlich technokratisches Konstrukt, das sich die Planungsstrategen in Würzburg und München am Schreibtisch zurechtgebastelt hatten. Eine bürokratische Reißbrettlösung, die nicht als lebensfähiges Kreisgebiet eingestuft werden konnte“, meint Keller.  

 

Weil auch die Stadt Gerolzhofen und alle Gemeinden ihres Nahbereiches die geplante Zuordnung Richtung Haßfurt kategorisch ablehnten und vehement den Anschluss an den „Schweinfurter Zug“  forderten, mussten neue Strategien und Techniken vor Ort konzipiert werden. Dabei war Walter Keller schnell klar, dass der vormalige Landkreis Haßfurt als erster von allen betroffenen Kreisen in der relativ verworrenen Situation unmissverständ-lich Flagge zeigen müsse. Um die vielschichtige Problematik der Kreisgebietsreform zu diskutieren, lud er am 20. Juli 1971 alle Bürgermeister in das Sportheim nach Sand ein. Die Beratung gipfelte in einem einmütigen Appell - dem sogenannten „Rütli-Schwur“, dass alle kreisangehörigen Städte und Gemeinden ein Höchstmaß an Geschlossenheit prakti-zieren.  „Nur ein Zusammenschluss der drei bisherigen Kreise Ebern, Haßfurt und Hofheim konnte die lebensnotwendigen Interessen der Bürger und ihrer Heimat auch in Zukunft sicherstellen.“

 

Da das Kreisgebiet damals mit drei Vertretern im Landtag präsent war, konnten die vor Ort entwickelten Reform-Alternativen auch in München gezielt platziert werden: Durch den Stimmkreisabgeordneten Albert Meyer, durch seine Landtagskollegen Heiner Schneier, Mitglied des Rechts- Kommunal- und Verfassungsausschusses und Arthur Heinrich aus Rügheim - er war Stellvertreter des Landrats in Hofheim.  

 

Eindeutig waren dann die Stellungnahmen der drei Landkreise: die drei Kreistage Haßfurt, Ebern (Landrat Dr. Reuther) und Hofheim (Landrat Dr. Krahmer) lehnten die Kreisgebietsreform in der geplanten Form ab und sprachen sich mehrheitlich für die Bildung eines ostunterfränkischen Landkreises aus. Im Gegensatz zum Kreistag vermittelten die Stellungnahmen der kreisangehörigen Gemeinden im Eberner Raum ein sehr uneinheitliches Bild: Dürrenried, Wasmuthhausen, Hafenpreppach, Heilgersdorf und Memmelsdorf bejahten ih-re Umgliederung in den Landkreis Coburg, Untermerzbach, Recheldorf und Gleusdorf wollten dem Landkreis Lichtenfels zugeordnet werden und Neubrunn und Breitbrunn ten-dierten zum Landkreis Haßfurt. Ähnlich war es auch bei den kreisangehörigen Gemeinden Hofheims: Stadtlauringen, Oberlauringen, Mailes, Birnfeld, Wetzhausen, Wettringen, Fuchsstadt, Altenmünster und Sulzfeld stimmten ihrer geplanten Umgliederung in den künftigen Landkreis Schweinfurt zu, während Aidhausen sie zusätzlich zu seinen Gunsten forderte.

 

Zusätzliche Unterstützung kam von der dritten kommunalen Ebene, dem Bezirkstag Unterfranken. Das Gremium lehnte die von München ins Auge gefassten Pläne, den Landkreis Ebern nach Oberfranken umzugliedern, konsequent ab. Gleichzeitig unterstütze der Bezirkstag die Alternative - einen ostunterfränkischen Landkreis zu bilden.

 

Aufgrund aller abgegebenen Stellungnahmen änderte das Bayerische Staatsministerim des Innern am 6. Oktober 1971 seinen ersten Reformentwurf. Ein Haßberg-Kreis sah folgende Gebiete vor: den Landkreis Haßfurt insgesamt, den Landkreis Ebern, ausgenom-men Baunach und seinen Nahbereich sowie Heilgersdorf im Itzgrund, den Nahbereich Hofheim, ausgenommen Stadtlauringen und seinen Nahbereich, die Gemeinden Geusfeld, Wustviel und Wohnau aus dem Landkreis Gerolzhofen, die Gemeinde Koppenwind aus dem Landkreis Bamberg.

 

Aus rechtsstaatlichen Gründen einerseits und einer erneuten Bürgerbeteiligung andererseits, musste ein zweites Anhörungsverfahren in den betroffenen Kreistagen und Gemeinderäten durchgeführt werden, deren Stellungnahmen nicht entsprochen wurde. Diese stimmten neu ab und formulierten zum Teil noch einmal Änderungswünsche. Damit war der Weg frei, um entsprechend des neuen „Fahrplanes“ von Innenminister Dr. Bruno Merk die Kreisgebietsreform in den Haßbergen und im Steigerwald über den Ministerrat in die parlamentarische Beratung des Landtags zu bringen. Es blieb bei den im zweiten Anhörungsverfahren gefundenen Lösungen, womit das wesentliche Ziel erreicht war, einen Landkreis mit eigenständigen, an den Bedürfnissen des ländlichen Raumes orientierten Entfaltungs- und Entwicklungschancen, zu ermöglichen.

Eine schwere Geburt, aber ein Glücksfall

Vor 40 Jahren entstand der neue Landkreis Haßberge. Staatssekretär a. D. Dr. Albert Meyer berichtet, wie es dazu kam.

1972 ist das Geburtsjahr des Landkreises Haßberge. 40 Jahre ist es nun her, dass die drei Landkreise Ebern, Hofheim und Haßfurt im Zuge der kommunalen Gebietsreform zu einem großen Landkreis zusammengelegt wurden. „Das war eine schwierige Geburt“, erinnert sich Dr. Albert Meyer, der zur damaligen Zeit als Abgeordneter des Stimmkreises Gerolzhofen-Haßfurt im Bayerischen Landtag wirkte. Gemeinsam mit Landrat a. D. Dr. Walter Keller trug er maßgeblich dazu bei, dass es den Landkreis Haßberge in der heutigen Form gibt.

Der erste Regierungsentwurf hatte den Landkreis Haßberge zumindest so nicht vorgesehen. Ur-sprünglich war geplant, dass die Städte, Märkte und Gemeinden der Landkreise Haßfurt, Hofheim und Ebern aufgeteilt werden auf die Landkreise Bamberg, Schweinfurt und Coburg.

Ausgangspunkt der Gebietsreform war die Regierungserklärung von Ministerpräsident Alfons Gop-pel vom 27. Januar 1971, mit der er die Reform der kommunalen Struktur ankündigte, um „in Stadt und Land möglichst gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen“. Die Notwendigkeit der Gebietsreform sei damals in allen politischen Lagern im Grundsatz unumstritten gewesen. Bayern hat die Gebietsreform als letztes Bundesland im damaligen Westdeutschland durchgeführt. Diese Verzögerung hatte ihre Ursache nicht zuletzt in seiner andersartigen Bevölkerungsstruktur. Wegen der dünnen Besiedelung war es besonders schwierig, leistungsfähige Verwaltungseinheiten zu schaffen, ohne gleichzeitig den Bürgern nicht zu weite Wege zu ihren Verwaltungen zuzumuten.

 

Zudem hatte man es – im Gegensatz zu den anderen, allesamt erst nach dem Krieg neu geschaffenen Bundesländern -, mit althergebrachten Strukturen und einer überwiegend konservativen Bevölkerung zu tun, die tiefgreifenden Veränderungen zurückhaltend gegenüber stand. Albert Meyer erinnert sich nur zu gut daran, dass sich der Vorsitzende der damaligen Regierungspartei CSU – nämlich kein geringerer als Franz Josef Strauß, nur zähneknirschend und mit den allergrößten Vorbehalten mit der Not-wendigkeit einer Gebietsreform abgefunden hat. 

Angesichts dieser nicht ganz einfachen Ausgangslage, gelang dem für die Gebietsreform verant-wortlichen Innenminister und Schwaben, Dr. Bruno Merk, ein „Schwabenstreich“, der für den Erfolg der Reform von großer Bedeutung war. Er ordnete nämlich – scheinbar der Logik widerspre-chend an, dass zuerst die Landkreisreform und nach deren Abschluss die Gemeindegebietsreform zu erfolgen habe.  Merk hatte befürchtet, dass die ohnehin schwierige Gemeindegebietsreform scheitern oder doch weiter erschwert werden könnte, wenn die Diskussion hierüber auch noch mit der Existenzfrage von Landkreisen verbunden wäre. So wurde noch im Dezember 1971 die Kreis-gebietsreform im Landtag verabschiedet. Für die Gemeindegebietsreform hingegen wurde eine mehrjährige Frist - mit einer vorgeschaltenen „Freiwilligkeitsphase“ - eingeräumt.

Vor 1971 verfügte der Regierungsbezirk Unterfranken über 22 Landkreise, von denen neun verblieben. Das bedeutete: 13 Landkreise mussten von der Landkarte verschwinden. Im ostunterfränkischen Raum gab es die Landkreise Haßfurt mit 46 000 Einwohnern, Ebern mit 26 000 Einwohnern und Hofheim mit 18 000 Einwohnern. „Jeder war sich darüber im Klaren, dass im Falle einer Re-form die beiden kleineren Landkreise Ebern und Hofheim unter keinen Umständen zu halten sein würden“, verdeutlicht Meyer. Deswegen ging es nur noch um die Frage, ob man gemeinsam einen ländlichen Landkreis zwischen den „Stadt-Landkreisen“ Schweinfurt, Bamberg und Coburg schaffen  könne, dessen Kreissitz allerdings aus Zentralitätsgründen auf Haßfurt fallen würde. Man sei sich klar darüber gewesen, dass auch eine solche Lösung – vor allem wegen des Zentralitätsverlustes der bisherigen Kreisstädte auf erheblichen Widerstand stoßen würde.

Während die Kreisgebietsreform in Unterfranken, etwa am Untermain, relativ reibungslos vor sich ging, habe sich das ostunterfränkische Gebiet, insbesondere der damalige Landkreis Ebern als au-ßerordentlich problematisch erwiesen.  Dennoch waren Albert Meyer, Landrat Walter Keller wie auch der bereits verstorbene Eberner Landrat Dr. Hans Reuther sowie viele Kommunalpolitiker aus diesem Raum fest entschlossen, einen ländlichen Landkreis zwischen den Landkreisen Schweinfurt und Bamberg zustande zu bringen.

Albert Meyer bezeichnet es als einen „glücklichen Umstand“, dass er zur damaligen Zeit zwar noch nicht Mitglied der Staatsregierung, aber immerhin schon stellvertretender CSU-Fraktionsvorsitzender im Landtag war. Sein Wort hatte in den politischen Reihen Gewicht. Nach Überwindung erheblichen Widerstandes ist es gelungen, in München Verständnis für einen eigenständigen ländlichen Landkreis in den Haßbergen und im Steigerwald zu wecken. „Die Entstehung eines ostunterfränkischen Landkreises, wie er sich nun seit 40 Jahren präsentiert, hing oftmals an einem seidenen Faden.“
 
Nachdem feststand, das Ebern auf alle Fälle seinen Hauptsitz verliert, war es dort sehr schwierig. den Bürgern einen neuen ländlichen Landkreis mit Haßfurt als Kreissitz schmackhaft zu machen, schildert Albert Meyer die damalige Situation. Gefragt war Überzeugungsarbeit vor Ort. Vor der Anhörung der Gemeinden wurden Versammlungen abgehalten, um die Bevölkerung für die Zugehörigkeit zu einem ostunterfränkischen Landkreis zu gewinnen. Schnell zeigte sich die ablehnende Haltung. Ein großer Teil der Bevölkerung forderte - sogar teilweise in massiver Form - den Anschluss an die Landkreise Bamberg, Schweinfurt und Coburg.  Dabei habe sich der damals kaum vorhandene Bezug zur Stadt Haßfurt als ein besonderes Handicap erwiesen. „So kam es vor, dass wir hämisch gefragt wurden, wo denn überhaupt Haßfurt liegt, man sei dort noch nie gewesen und habe auch nicht die Absicht jemals dorthin zu fahren.“   

Eine Schlüsselrolle kam damals der Gemeinde Untermerzbach zu. Wegen der geographischen Lage waren die Bestrebungen, dem Landkreis Coburg zugeschlagen zu werden, verständlicherweise be-sonders stark. „Wir wussten aber, dass ein Verlust von Untermerzbach die Lage in Ebern nochmals zugunsten Unterfrankens verschärfen würde, denn man konnte diese Stadt, die schon den Kreissitz verliert, nicht auch noch von ihrem Hinterland trennen und die östliche Stadtgrenze im Hambach mit der Landkreis- und  Regierungsbezirksgrenze zusammenfallen lassen“, erklärt Meyer. Deswegen habe man mit allen Mitteln gearbeitet, um die Stimmung in Untermerzbach zugunsten eines ostunterfränkischen Landkreises zu ändern. „Das ist uns dann halbwegs gelungen. Aber es war ein Riesen-Kunststück. Und ich bin den Untermerzbachern deshalb noch heute besonders verbunden.“

Während Walter Keller vor Ort kämpfte, hat sich Albert Meyer beim Innenminister und in den Fraktionssitzungen der CSU nachhaltig für den Landkreis Haßberge eingesetzt. Zu Hilfe gekommen ist ein wichtiger, sachlicher Umstand: Die Firma Kugelfischer Schweinfurt unterhielt in Ebern ein Zweigwerk mit immerhin 2300 Arbeitsplätzen. Viele Arbeitnehmer fühlten sich durch ihren Arbeitsplatz doch mit Unterfranken verbunden. „Selbstverständlich war dieses Werk auch ein wichti-ges Argument bei den Beratungen in München, so dass der Innenminister den neuen Landkreis Haßberge in seinen Neuordnungsvorschlag aufnahm, der dann vom Landtag abgesegnet wurde. Für Albert Meyer ist er heutige Landkreis Haßberge ein „einziger Glücksfall“. „Die Geburtswehen sind längst vergessen“, schmunzelt der ehemalige Abgeordnete. „Mit 40 Jahren präsentiert sich das Geburtstagskind aufstrebend, jung und modern.“

Was wäre geschehen, wenn ein lebensfähiger ländlicher Landkreis zwischen Schweinfurt und Bamberg nicht zustande gekommen wäre?

 

Das Gebiet wäre zwangsläufig zwischen den Landkreisen Schweinfurt, Bamberg und Coburg aufgeteilt worden. Die Folge: Es wären zwei Mammut-Stadt-Umlandkreise Schweinfurt und Bamberg entstanden. Die Grenze zwischen dem Landkreis Schweinfurt und dem Landkreis Bamberg wäre voraussichtlich zwischen Haßfurt und Zeil verlaufen. Die Stadt Haßfurt wäre kein Kreissitz geworden und hätte mit Sicherheit nicht den enormen Aufschwung genommen, den sie heute verzeichnen kann. Die Stadt Ebern wäre eine kleine Stadt an der Peripherie geworden, wo sie gegenüber den großen Stadt-Umland-Gemeinden Bambergs kaum eine Rolle gespielt hätte. Im Landkreis Haßberge hat Ebern als immerhin zweitgrößte Stadt und als wichtiger Schulstandort ganz anderes Gewicht. Ähnliches gilt auch für die Stadt Hofheim, die jetzt völlig am Rand eines Gebietes liegen würde, das bis in die Nähe von Würzburg reicht.

 

Zur Person Albert Meyer


Albert Meyer war von 1966 bis 1988 Mitglied des Bayerischen Landtages und dort von 1972 bis 1974 stellvertretender Vorsitzender der CSU-Fraktion. Meyer amtierte vom 12. November 1974 bis zum 17. Juni 1993 als Staatssekretär im Staatsministerium der Finanzen in den von den Ministerpräsidenten Alfons Goppel, Franz Josef Strauß und Max Streibl geführten Regierungen des Freistaates Bayern.  

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Die Rivalität war schnell überwunden

Seit 40 Jahren ist Ebern keine Kreisstadt mehr.  Altbürgermeister Rolf Feulner erinnert sich an die Zeit nach der Gebietsreform.

 

Die Pläne der Landkreisreform haben vor 40 Jahren für heftige Diskussionen gesorgt. Vor allem im Eberner Raum. Die Stimmung bei vielen Menschen wechselte zwischen innerer Wut, Hoffen und Bangen. Sie wussten, dass der Landkreis Ebern nur noch wenige Monate existieren würde. Viele fürchteten mit der Gebietsreform zum 1. Juli 1972 eine gewisse „Abwertung“ ihrer Stadt.

Als Rolf Feulner am 27. Februar 1972 zum Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters Franz Hübl an die Spitze der Stadt Ebern gewählt wurde, war die Landkreisreform längst beschlossene Sache. „Die Entscheidung im bayerischen Landtag war zu dem Zeitpunkt schon gefallen“, erinnert sich der heute 77-Jährige. „Da gab es nichts mehr dran zu rütteln.  Es lief sozusagen schon der Countdown: Ebern verlor den Kreissitz und wurde zusammen mit den Landkreisen Haßfurt und Hofheim in den neu geschaffenen Landkreis Haßberge eingegliedert.“

Keinen Zweifel hegt Rolf Feulner daran, dass die kommunale Gebietsreform ein richtiger Schritt war, um leistungsfähige Verwaltungseinheiten zu schaffen. „Der Landkreis Ebern mit seinen 26 000 Einwohnern war dünn besiedelt und industriearm  - er hätte keine Überlebenschance gehabt.“ Dies habe nicht nur der damalige Landrat Dr. Hans Reuther so gesehen, sondern auch der Großteil der Bevölkerung.  

Was dann aber die Stimmung aufheizte: Die politischen Entscheidungsträger waren mehrheitlich gegen einen Anschluss Eberns an den Landkreis Bamberg. Forciert wurde ein neuer Landkreis mit Haßfurt als Kreissitz. „Damit waren viele Bürger nicht einverstanden, allein schon wegen der geografischen Lage. Zur Stadt Haßfurt fehlte den Ebernern einfach der Bezug.“  Nicht ganz unberechtigt stellten sich die Bürger die Frage, was ihnen der Großlandkreis Haßberge bringe.

Und Rolf Feulner gibt ehrlich zu: „Wenn es nach mir gegangen wäre, würde Ebern heute zusammen mit Baunach zum Landkreis Bamberg gehören.“ Aber als Feulner Bürgermeister wurde, war das ohnehin kein Thema mehr, die Tatsachen waren schon geschaffen. Ein Nachkarten gab es für ihn nicht. Der Blick war in die Zukunft gerichtet, deswegen lautete seine Devise: „Wir müssen aus dem Landkreis Haßberge das Beste machen“.  

Am 1. Juli 1972 wurde Rolf Feulner in den neuen Kreistag des Landkreises Haßberge gewählt - eine wichtige Voraussetzung dafür, mitzureden und den Heimatkreis aktiv mitzugestalten. „Wir waren voll gefordert, schließlich gab es eine Fülle  von Aufgaben zu bewältigen und jede Menge Probleme zu lösen.“ Insbesondere ging es auch darum, einen Ausgleich für die aufgegebenen Kreisstädte Ebern und Hofheim zu schaffen.

„Der Zentralitätsverlust war auf vielen Gebieten deutlich zu spüren“, berichtet der Altbürgermeister und ehemalige Kreisrat. Vor allem die Geschäftsleute und Unternehmen befürchteten durch den Wegfall des Kreissitzes Nachteile. „Es hat lange gedauert bis die Skepsis dem Optimismus gewichen ist. “ Als großes Glück bezeichnet Feulner den Umstand, dass Ebern seit 1962 schon Bundeswehr-Standort war und dieser zehn Jahre später noch ausgebaut wurde. „Damit konnten wir den Bevölkerungsverlust weitestgehend ausgleichen.“ Die Balthasar-Neumann-Kaserne war bis zu ihrer Auflösung über 40 Jahre lang ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber für die Stadt.

„Die Zeit nach der Gebietsreform war für Ebern nicht einfach“, beschreibt Feulner die damalige Situation.  Vor allem, wenn es um Neuansiedlungen von Lebensmittelmärkten oder Unternehmen ging. „Da haben wir ganz schön kämpfen und Überzeugungsarbeit leisten müssen, dass es sich hier lohnt, zu investieren. Denn man darf nicht vergessen, Ebern lag inmitten einer strukturschwachen Region im damaligen Zonenrandgebiet.“

Heute sind die Zeiten, als Ebern noch ein Mauerblümchen-Dasein fristete, längst vorbei. Systematisch hat die Stadt die Infrastruktur in allen Bereichen ausgebaut und kräftig investiert. Als einen großen Gewinn bezeichnet Feulner die Verbindungsstraße von Haßfurt nach Ebern sowie den Ausbau des Krankenhaus-Standortes. Ebern ist heute die zweitgrößte Stadt im Landkreis Haßberge und genießt als Schulstandort einen hervorragenden Ruf.  

„Auch in Haßfurt sind unsere Sorgen und Probleme immer auf offene Ohren gestoßen. Egal ob Walter Keller oder Rudolf Handwerker -  beiden Landräten lag, beziehungsweise liegt die Entwicklung der Stadt Ebern sehr am Herzen.“ Große Unterstützung hätten die Eberner auch stets durch Staatssekretär a. D. Dr. Albert Meyer erhalten, wofür er den Spitznamen „Schutzengel Albert“ erhalten habe.  

Die Zusammenarbeit im Kreistag sei all die Jahre immer konstruktiv gewesen. „Wir haben gemeinsam an einem Strang gezogen und alle daran gearbeitet, dass der Landkreis Haßberge zusammenwachsen kann“, so der Altbürgermeister.

Freilich habe es früher auch Rivalitäten zwischen den Kommunen gegeben. „Doch bei der gemeinsamen Arbeit waren diese schnell überwunden. Heute gibt es lediglich noch kleine regionale Kappeleien“, sagt Feulner augenzwinkernd. „Wir sind in den vergangenen 40 Jahren ein Landkreis geworden. Dennoch haben sich alle Regionen ihre ganz eigene Identität erhalten. Diese Vielfalt zeichnet unsere Haßberge auch aus - egal ob in gesellschaftlicher, kultureller oder landschaftlicher Hinsicht. Wir könnenn stolz auf unsere Heimat sein.“ 

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Bildungschancen sind Lebenschancen

Ebern ist als Schulstandort gut aufgestellt. Oberstudiendirektor Klauspeter Schmidt agiert als  „Weberschiffchen“ zwischen dem östlichen und westlichen Landkreis.

 

Die Stadt Ebern bietet zahlreichen Menschen aus der Region einen Arbeitsplatz. Nicht wenige pendeln jedoch aus dem nördlichen Landkreis ins Maintal oder in die Städte im Umfeld.

Einer, der jeden Tag den umgekehrten Weg von Haßfurt nach Ebern nimmt, ist der Schulleiter des Friedrich-Rückert-Gymnasiums, Oberstudiendirektor Klauspeter Schmidt. Da bleiben zwar viel Zeit und etliche Kilometer auf der Strecke, doch das macht dem 52-Jährigen nichts aus.

Nachdem er von 1990 bis 1998 schon einmal als Studienrat am Friedrich-Rückert-Gymnasium tätig war, kehrte Schmidt quasi als „Wiederholungstäter“ im Jahr 2010 als Oberstudiendirektor und Schulleiter wieder an die Schule zurück. „Ich wollte eine Schule leiten, mit der ich mich regional identifizieren konnte.“ Das Eberner Gymnasium habe diese Bedingung erfüllt. „Mit rund 750 Schülerinnen und Schülern bietet das Gymnasium hervorragende Möglichkeiten – einerseits die ganze Vielfalt des schulischen Ange-bots im Bereich des Pflicht- und Wahlunterrichts abzubilden, andererseits aber auch  noch den individuellen Umgang und eine vertiefte Kommunikation der am Schulleben Beteiligten realisieren zu können..“  

Klauspeter Schmidt ist bekennender Lokalpatriot, deswegen liegt ihm auch am Herzen, ein wenig als „Weberschiffchen“ zwischen dem westlichen und östlichen Landkreishälften agieren zu können. In Punkto Zusammengehörigkeitsgefühl sieht Klauspeter Schmidt nach wie vor noch Entwicklungspotentiale. „Ich versuche gerade bei den offiziellen Stellen immer wieder auf die Bedeutung der Bildungseinrichtungen des östlichen Teils hinzuweisen. Ich glaube, dass ich da gerade als Haßfurter durchaus freier und nachdrücklicher in solcher ,Mission´ sprechen., bzw. auftreten kann.

 

Die Bedingungen am Schulstandort Ebern sind nach Meinung des Schulleiters ideal. Mit der Landkreisreform sei die Gründung des Gymnasiums im Jahre 1969 und der Bezug des Neubaus 1972 einhergegangen. „Das war ein wichtiger Schritt in Richtung Chancengleichheit der ländlichen Bevölkerung in Sachen höhere Bildung.“ Seitdem hat sich das Friedrich-Rückert-Gymnasium (seit 1987 trägt es diesen Namen) kontinuierlich weiter entwickelt. Inhaltlich sowieso und baulich. Eine neue Mensa, eine generalsanierte Dreifachturnhalle und hervorragende Außensportanlagen bieten beste Möglichkeiten, den gymnasialen Anforderungen der Gegenwart adäquat entgegentreten zu können. In den kommenden Jahren steht eine Generalsanierung des Hauptgebäudes an.

Sorgen bereitet dem Schulleiter die demografische Entwicklung auf dem Land, die den Schulstandort Ebern härter treffen wird als die Schulen im Maintal. Gerade vor diesem Hintergrund würde er es begrüßen, „wenn innerhalb des Landkreises Möglichkeiten geschaffen würden, dass Eltern, die westlich des Haßbergtraufes wohnen, ihre Kinder ebenso zu Schulen nach Ebern schicken können. Damit könnten Eltern das interessante und hochwertige Angebot in Ebern auch voll nutzen und es gäbe eine weitere Wahlmöglichkeit“.

Klauspeter Schmidt ist davon überzeugt, dass der gesamte Landkreis Haßberge im schulischen Be-reich sehr gut aufgestellt ist. „Vielleicht sollten wir in Zukunft mit diesem ,Pfund` im Kreis – und vor Ort – noch mehr wuchern, um die Attraktivität der Region bei jungen Familien und damit einen möglichen Willen, in die Haßberge zu ziehen, steigern zu können.


Es hätte auch ganz anders kommen können...

SPD-Kreisrat und Heimatforscher Ludwig Leisentritt: Der Bildung des neuen Landkreises Haßberge gingen aufregende Zeiten voraus.


„Das waren ganz schön aufregende Zeiten“, erinnert sich SPD-Kreisrat Ludwig Leisentritt und meint damit die Kreisgebietsreform, aus der vor 40 Jahren der neue Landkreis Haßberge entstanden ist.

Der 74-Jährige leidenschaftliche Politiker und Heimatforscher hat recherchiert: 16 Aktenordner füllten beim Landratsam Haßfurt die Vorgänge der Kreisreform im Zeitraum 1971/72. Aber, das ist seiner Meinung nach gar nicht mal so viel, wenn man vergleicht, dass die Stadt Zeil über das Hafen-Projekt allein 42 Ordner angesamment hat.

Nicht zum ersten Mal hatte 1971/72 die anstehende Landkreisreform die Gemüter erregt. Eine Auflösung des früheren Bezirks Hofheim, der bereits seit 1862 zusammen zum Amtsbezirk Königshofen gehörte, habe schon 1928/29 zur Diskussion gestanden, wie historische Unterlagen belegen. Eine von Bürgermeister Uhl einberufene Protestversammlung gegen die Aufhebung des Bezirksamtes hatte großen Widerhall. Sämtliche Körperschaften des Bezirks seien auf den Plan getreten, so dass eine Tageszeitung hämisch notierte: „Sogar der Adel stieg zum Volk herab“.

Wie Ludwig Leisentritt berichtet, sahen die Bewoher des Haßgaues in der vorgesehenen Auflösung des Bezirksamtes den Beginn einer Katastrophe. Der hohen Staatsregierung rief man zu: „Zerstört nicht die Wurzeln staatlicher Kraft. Erhaltet eine lebensfähige Bevölkerung auf dem Lande!“ Offensichtlich konnten sich die Hofheimer bei der Regierung durchsetzen, denn das „beabsichtigte Unheil“ wurde von der Haßgau-Bevölkerung abgewendet.

Sonderstellung für Grenzlandkreise?

1957 habe es ein weiteres Mal konkrete Anzeichen für eine Landkreisreform gegeben. „Irgendwie sickerte durch, die Regierung plane eine probeweise Auflösung des Landkreises Hofheim.“ Der damalige Landtagsabgeordnete Artur Heinrich aus Rügheim sei dann bei den Ministerien in München Sturm gelaufen: Man dürfe einen ausgesprochenen Zonenlandkreis durch den Abzug von Ämtern nicht veröden lassen, war nur eines der vielen Argumente. Auch Hofheims Landrat Dr. Krahmer sei der Ansicht gewesen, den Grenzlandkreisen müsse sowohl in der Art als auch in der Zeit eine Sonderstellung zukommen.

Bereits mehr als zehn Jahre vor der Gemeinegebietsreform 1972 sei Mitte 1959 eine vertrauliche Anordnung des Innenministeriums bekannt geworden, wonach eine Zusammenlegung von Gemeinden bis zu 300 Einwohnern zu überprüfen sei. Im Kreis Haßfurt waren davon 29, in Ebern 26, und in Hofheim 30 Gemeinden betroffen.
Der heute zu Hofheim gehörende Ort Erlsdorf galt bis vor der Eingemeindung als der kleinste Ort in Bayern. Ganze 32 Einwohner zählte die Gemeinde.  Die kommunalen Probleme habe man wie in einer größeren Familie diskutiert und gelöst, schließlich war fast jedes der elf Häuser im achtköpfigen Gemeinderat vertreten.

Weitere Anzeichen für eine Landkreisreform gab es im gleichen Jahr anlässlich der Auflösung des Amtsgerichtes Eltmann. Als die Wallburgstädter und die umliegenden  Gemeinden in München deswegen vorstellig wurden, sei Justizminister Haas angesichts der hohen Personalkosten hart geblieben. Er habe sich  damals bereits eine Zusammenlegung von Landratsämtern im Zuge einer territorialen Neugliederung vorstellen können.  

Nach dem letzten Krieg kam als erstes die Flurbereinigung als ökologische Veränderung. Es handelte sich hierbei um eine “Neuordnung des ländlichen Raumes”. Mit der Schließung zahlreicher Landschulen vollzog sich ein kultureller Wandel: unzählige Schulhäuser wurden nicht mehr benö-tigt. Die politische Veränderung kam letztendlich mit der Landkreis- und Gebietsreform 1971/78.

Im Zusammenhang mit der geplanten Verwaltungsvereinfachung stand  - geauso wie im Landkreis Hofheim  -  auch im Bereich Ebern der Sitz der Kreisbehörde relativ früh zur Diskussion. „Das Landratsamt Ebern muss bleiben“, so titelte schon 1955 eine Heimatzeitung. Der damalige Landrat Dr. Hans Reuther wollte im Bezirk Ebern zwei Jahre vor der ersten Gemeindereform 1972 das Ge-schehen beeinflussen, bevor staatlicherseits vollendete Tatsachen geschaffen werden.

Landkreis Ebern wehrt sich mit allen Mitteln gegen Auflösung

Ludwig Leisentritt untermauert dies mit einem weiteren Zeitungsausschnitt - diesmal mit der Überschrift „Der Landkreis Ebern arbeitet vor“. Die Landkreisverwaltung hatte einen Plan ausgearbeitet, um „kompaktere Gemeinden“ zu erhalten. Danach sollten aus den insgesamt 68 Gemeinden nur noch 23 werden, weitaus mehr als schließlich 1972 herauskamen. Landrat Dr. Hans Reuther habe versucht seinen Kreisbürgern eine freiwillige Gebietsreform dadurch schmackhaft zu machen, indem er versprach, „von alters her bestehende Bindungen der Gemeinden untereinander sowie wirt-schaftliche und geografische Geschtspunkte“ zu berücksichtigen. Sein Ziel sei es gewesen, bis zum Erlass konkreter Richtlinien durch den Staat, eine intensive Werbung für den Zusammenschluss der Gemeinden auf freiwilliger Basis zu betreiben. Dieses Vorhaben sei jedoch wegen mangelnder Unterstützung kläglich gescheitert.

Wie Leisentritt berichtet, habe die Stadt Ebern frühzeitig angekündigt, sich mit allen Mitteln gegen eine Auflösung ihres Landkreises zu wehren.  Das Innenministerium  hielt es für vertretbar, dass sich bei größeren Flächenlandkreisen der Besuch des Landratsamtes innerhalb eines halben Tages abwickeln lasse. Von der Tendenz her wollten sich große Teile des nördlichen  Kreises Ebern dem Landkreis Bamberg, bzw. Coburg  zuwenden.

Moderner Amtsbotenweg


Die Befürwörter erinnerten daran, dass der schwarze Löwe im Eberner Kreiswappen schon lange vor der Gebietsreform die Zugehörigkeit Eberns zu Bamberg symbolisiere. Einige Gebiete des Kreises Ebern hätten zwischen Haßfurt und Bamberg geschwankt. „Als Manko führte man zu Recht das Fehlen einer leistungsfähigen Verbindungsstraße zwischen dem Hauptteil des Eberner Kreises und der künftigen Kreisstadt Haßfurt an. Drei Jahre nach der Reform war die neue Staatsstraße fertig. Sie konnte nun gewissermaßen als moderner Amtsbotenweg zwischen Ebern und Haßfurt dienen.“

Der Heimatforscher und Politiker erzählt, dass der Kreis Ebern zuerst auf Zeit gespielt habe, “er wünschte, erst nach einer Probezeit eine Entscheidung zu fällen.“ Man habe befürchtete, dass aus dem Grenzlandkreis Ebern ein „Armenhaus der Wohlstandsgesellschaft” werden könnte.

Annektions- und Expansionsgelüste


Mit Befremden registrierte man im Haßfurter Landratsamt, dass Oberfranken danach trachtete, auch der Raum Eltmann-Ebelsbach und die sogenannten „Heiligen Länder“  nach Oberfranken einzuverleiben. Man sprach von Annektions- und  Expansionsgelüsten.  Die Oberfranken wünschten ihr Gebiet in Richtung Westen bis auf die Höhe von Steinbach auszuweiten. Damit wäre Zeil mit Schmachtenberg und Ziegelanger am Rande eines künftigen Landkreises und sogar des Regierungsbezirkes Unterfranken zu liegen gekommen. Bambergs Landrat Neukum war sehr stark an der Wirtschaftskraft des Eltmanner Bereiches ( Kufi ) interessiert. Das hatte seinen Grund, glaubt Leisentritt. Er wusste nämlich bereits, dass mindestens die einstige Kreisgemeinde Gaustadt mit ihrer starken Industrie in die Stadt Bamberg eingemeindet werden soll.

„Landrat Walter Keller schickte  damals die eifrigen Landtagsabgordneten Albert Meyer und Heiner Schneier aus, die mit wahrhaft missionarischem Eifer für den Verbleib in einem künftigen Haßbergkreis geworben haben“, berichtet der 74-Jährige. Und so hat sich später das Blatt gewendet: Das Eberner Landratsamt verkündete im September 1971: 64 Prozent der Bevölkerung sei für den Haßgau-Landkreis. Der Wunsch nach einer Volksbefragung war nicht verwirklicht worden. Und Landrat Dr. Hans Reuther war mittlerweile der Auffassung, es wäre der „Tod des kommunalen Lebens“, würde Ebern zum Ballungsgebiet Bamberg kommen.

Dass der Raum Ebern schließlich seine Gunst Haßfurt schenkte, hatte möglicherweise auch einen machtpolitschen Hintergrund gehabt, verrät Leisentritt. Insider glauben zu wissen, warum sich die Stimmung der Eberner schließlich von Bamberg nach Haßfurt neigte.“ In Unionskreisen machte man sich nämlich nach der Landkreisreform die Hoffnung, dass der Ebener Landrat Dr. Hans Reuther bei der Landratswahl Ende 1971 mit Hilfe des Raumes Eltmann, wo er her stammte, Chef des neuen Landkreises Haßberge werden könnte. „Doch die Delegierten der CSU nominierten den bisherigen Amtschef Walter Keller, der  Ende 1967 zunächst ja nicht als Unionsbewerber, sondern auf einer Liste der Wählergemeinschaft und des Christlichen Bürgerblocks, das Rennen machte. Wer weiß, ob es überhaupt zur Bildung des heutigen Landkreises Haßberge ohne diese Personalie gekommen wäre? Die Präferenz für einen Anschluss an Bamberg war ja zeitweise ziemlich dominant...“


Politische Zangengeburt


Es hätte aber auch anders kommen können, wenn nicht der damalige Haßfurter Landrat Walter Keller sowie Staatssekretär und Landtagsabgeordneter Albert Meyer im Verbund mit  Heiner Schneier sowie anderen gegen anderslautende Pläne der Merk`schen Reform erfolgreich Sturm gelaufen wären und oft hinter den Kulissen Verhandlungen geführt hätten, ist sich Ludwig Leisentritt heute sicher. „Der heutige Landkreis Haßberge war sozusagen eine politische Zangengeburt.“ Der ostunterfränkische Kreis sollte ursprünglich nicht nach Norden und Osten, sondern mehr nach Süden erweitert werden. Zwar wäre in diesem Fall ein Großteil des Landkreises Hofheim auch nach Haßfurt gekommen. Aber aus dem Landkreis Ebern hätten nur die Orte Breitbrunn, Hofstetten und Neubrunn zu dem neuen Gebilde gehört.

Rückblickend steht für Ludwig Leisentritt heute fest: Die Gebietsreform von 1972 hat mehr genutzt als geschadet. „Der Landkreis Haßberge ist ein Erfolgsprojekt.“

 

Harte Bandagen
- Mit welch harten Bandagen zu Zeiten der Kreisreform gestritten wurde, geht aus einem schriftli-chen Bericht eines Bobachters aus Baunach hervor: „Hier bei uns in Baunach vollzog sich die, von unserem Bürgermeister vertretene Anschluss-Idee nach Bamberg in undemokratischer Weise. Mit allen Mitteln primitiver Demagogie wurde gegen den vernünftigen Plan „Haßgau-Kreis“ erfolgreich Propaganda gemacht. Befürworter dieser Idee wurden niedergeschrien.“

Im Landkreis Hofheim - der sich wegen seiner Nähe zum Zonenrandgebiet als „Land im toten Win-kel“ fühlte,  hatte sich sogar ein “Verein Volksbegehren - Kommunale Gebietsreform” gebildet. Hierzu kamen die Landräte aus Bad Brückenau, Hammelbug und Königshofen sowie der Chef aus dem Kreis Beilngries. Doch die Beteiligung sei recht spärlich gewesen.

Schwierige Namenssuche


Die Suche nach einem umspannenden Namen für den Landkreis Haßberge bezeichnet Leisentritt als eine Glaubenssache: Nach dem ersten Entwurf der bayerischen Staatsregierung hätte der neue Landkreis von Stadelschwarzach über Gerolzhofen bis Bundorf reichen sollen. Hierfür wurde der Name „Haßgau-Steigerwald“ erwogen. Die unterfränkische Regierung habe zunächst den Namen „Haßgau“ vorgesschlagen. Von den Kreistagen Ebern und Hofheim sei dann der Vorschlag „Ostunterfranken-Landkreis“ gebracht worden. Andere plädierten für einen „Kreis Haßfurt“. Schließlich heißen 62 der 71 bayerischen Landkreise so wie die Stadt des Kreis-Sitzes. Mit der Bezeichnung „Steigerwald-Mainschleife“ kam dann noch eine völlig neue Variante ins Gespräch. Nicht wenige hätten gemeint, der Mainfluss sollte im Namen zum Ausdruck kommen. In einer Versammlung im Steigerwald habe ein Teilnehmer einen originellen Namen vorgeschlagen: Um alle Landkreise kurz und bündig im künftigen Namen zu integrieren kreierte er die künstliche Wortschöpfung EHOHAS für Ebern-Hofheim-Haßfurt. 

1068 Ratsstühle weniger besetzt


Die Gebietsreform führte im Bereich des heutigen Landkreises Haßberge die Zahl der Bürgermeister von 168 auf 25 zurück. Die Zahl der Gemeinde- und Stadträte verringerte sich von 1432 auf nur noch 348 im Jahre 1978. Insgesamt wurden 1084 Ratsstühle nicht mehr besetzt. Der Gesetzgeber sorgte jedoch dafür, dass jede nicht mehr in den Stadt- und Gemeinderäten vertretenen Ortsteile ei-nen Ortssprecher bestimmen konnten.

Zur Person:


Ludwig Leisentritt war 31 Jahre hauptamtlicher SPD-Geschäftsführer im Wahlkreis Bad Kissingen. 1978 wurde der SPD´ler in den Kreistag gewählt und bestimmt heute noch die Geschicke des Landkreises Haßberge aktiv mit. Seit 1977 ist er außerdem Mitglied im Zeiler Stadtrat. Über viele Jahrzehnte führt er als Ortsvorsitzender die Zeiler SPD an.  Anfang 2007 wurde er für seine Verdienste mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet - die höchste Auszeichnung der SPD.  Neben seiner politischen Tätigkeit ist  Ludwig Leisentritt leidenschaftlicher Heimatforscher, Stadtarchivar und Buchautor.

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